Mein Tor gehört mir!

5 Okt

Von Matthias Götze

Jedes Wochenende passieren tolle und kuriose Sachen auf Deutschlands Sportplätzen, die Mannschaften und Zuschauer begeistern und die Spieler zu Helden machen. So ging es auch mir: Ich schoss ein Tor, das ich nie mehr in meinem Leben schießen werde. Ich war stolz auf dieses Tor und hatte noch zusätzlich das Glück, dass ein verletzter Mannschaftskollege das Tor filmte.

Matthias Götze

Matthias Götze

Da ich mich so über mein Tor freute und ich es mehr als den hundert Leuten auf dem Sportplatz zeigen wollte, hab ich das Video auf Hartplatzhelden hochgeladen. Die einzige Chance, wo Amateurfußballer ein wenig der Bedeutungslosigkeit entfliehen und etwas Ruhm und Ehre ernten können.

Genau diese bekam ich dann auch durch die Auszeichnung als Torschütze des Jahres 2008. Marco Bode hat mich auf Platz 1 gewählt mit dem Hinweis: „Ich bin nicht hundertprozentig sicher, ob das so alles gewollt war, aber, falls doch: nicht zu schlagen.“ Dazu kann ich nur sagen: Klar war das Absicht, Marco!

Ich bin stolz darauf, den Award gewonnen zu haben, und kann es nicht verstehen, wieso der DFB jetzt verbieten will, dass mein Tor weiter veröffentlicht wird. Die Urheberrechte an dem Video hat mein Mannschaftskollege – und nicht der DFB oder ein anderer Fußballverband.

Und gibt es nicht das Recht am eigenen Bild? Das besitze jawohl ich. Zumindest will ich nicht, dass andere darüber verfügen und deren Veröffentlichung verbieten können. Mich hat nie jemand gefragt, ob ich meine Bildrechte abtrete, auch nicht beim Eintritt in den Verein. Mein Tor gehört mir!

Außer durch bescheuerte Regeln und Entscheidungen (zum Beispiel „Die Halter der Schienbeinschoner über den Stutzen dürfen nicht über 2 cm breit sein, wenn sie eine andere Farbe besitzen“) oder Spielansetzungen unter der Woche zu den weitesten Auswärtsfahrten, treten die Verbände bei uns kleinen Vereinen nicht in Erscheinung. Sie sollten eher mal schauen, dass sie die unnötige und erschwerende Bürokratie an der Basis abschaffen, statt mit solchen Klagen den Spaß am Amateurfußball weiter zu dezimieren.

Lasst doch die Hartplatzhelden in Ruhe! Eine bessere Werbung für den Fußball gibt es doch nicht und in Zeiten des Internets und des Überangebot an Sportarten, wird es immer schwieriger, Kids zum Fußballspielen zu animieren.

Matthias Götze, 26, ist Stürmer beim rheinland-pfälzischen Bezirksligisten SV Konz und Hartplatzheld des Jahres 2008.

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Auf ein Fußballspiel gibt es kein Patent

25 Sep

Von Heinrich Nemeczek

Eine umfassende Rechtsposition des Sportveranstalters existiert im deutschen Recht nicht. Das wird zwar für den Profisport im Wettbewerbsrecht diskutiert. Dort zählen aber umfassende Investitionen sowie ein von Millionenbeträgen geprägter Spielertransfer. Im Amateurfußball verhält sich dies naturgemäß anders.

Heinrich Nemeczek

Heinrich Nemeczek

Im Gegensatz zu namhaften Autoren, die sich auch in diesem Blog geäußert haben (etwa hier), gehe ich davon aus, dass Fußballspiele sehr wohl von den Hartplatzhelden nachgeahmt werden. Zwar werden sie nicht kopiert wie eine Musik-CD, aber dennoch wird an das Fußballspiel als Gesamtleistung von Sportverband und Gastverein angeknüpft. Doch das allein bedeutet noch nichts.

Professor Ohly hat es schon hervorgehoben: Im deutschen Wettbewerbsrecht herrscht Nachahmungsfreiheit. Verboten ist die Nachahmung nur, wenn besondere Umstände hinzutreten. Davon ist der Bundesgerichtshof in den letzten Jahren jedoch nur ausnahmsweise ausgegangen. Selbst der massenhafte Vertrieb billiger „HERMÈS“-Imitate ist erlaubt, solange die Käufer erkennen, dass es sich eben nur um Imitate handelt.

Welcher Prestige-Verlust droht aber dem WFV mit den Hartplatzhelden? Die Hartplatzhelden sorgen dafür, dass Begeisterung auch für den Amateurfußball über die heimischen Stadiongrenzen hinweg aufkommt. Szenen eines Kreisligavereins werden nicht nur von den eigenen Fans, sondern auch von Alteingesessenen wie Miroslav Klose oder Marco Bode bewundert. Auf diese Begeisterung kommt es den Hartplatzhelden an und nicht auf das schmarotzende Ausnutzen eines wertvollen Patents.

Heinrich Nemeczek, 23, ist Mitarbeiter am Lehrstuhl für das Recht des geistigen Eigentums an der Universität Freiburg.

Endspurt im Hartplatzhelden-Prozess

7 Sep

Am 28. Oktober 2010 wird der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein Stück Freiheit im Internet verhandeln: den Rechtsstreit zwischen dem Württembergischen Fußballverband (WFV) und den Hartplatzhelden.

Worum geht es? Auf hartplatzhelden.de, der Website der Hartplatzhelden GmbH, können User seit Ende 2006 Videos von Amateur-, Jugend und Freizeitspielen hochladen. Dort werden die schönsten Tore von einer prominenten Jury um Günther Jauch prämiert. Und auch sonst redaktionell betreut: gesichtet, kommentiert, bewertet, sortiert, verteilt.

Der WFV will es den Hartplatzhelden untersagen, Videos aus seiner Region zu zeigen, weil er glaubt, die alleinigen Vermarktungsrechte zu halten. Daher hat er die Hartplatzhelden auf Unterlassung verklagt und in den ersten beiden Instanzen Recht bekommen: vor dem Landgericht Stuttgart im Mai 2008 und vor dem Oberlandesgericht Stuttgart im März 2009. Der Verstoß lautet auf unlauteren Wettbewerb.

Die Hartplatzhelden sind in Berufung gegangen, und nun steht das (voraussichtlich) letztinstanzliche Urteil an. Es wird ein Grundsatzurteil erwartet, ein Grundsatzurteil, das sich die Frage stellen muss: Gehört der Fußball den Verbänden?

Bis zum Tag der Entscheidung sammeln wir Hartplatzhelden unter der Federführung des Gründers Oliver Fritsch diesem Blog die wichtigsten Stimmen, Argumente, Fragen zum Prozess, auch den „historischen“ Werdegang.