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Der DFB ist nicht mein Lehnsherr

19 Okt

Von Timo S. Hoffmann

Wenn mein Verein oder ich selbst Aufnahmen von Spielen veröffentlichen, möchte ich entscheiden können, wie, wann und vor allem wo das geschieht. Hier wird hartplatzhelden.de für viele auf lange Sicht die erste Wahl sein. Denn hartplatzhelden.de bietet dem Amateurfußball ein Portal, das jeden als Teil der Gemeinschaft der Amateurfußballer anspricht. Als ich zum ersten Mal von diesem Projekt hörte, war ich begeistert und bin es immer noch. Natürlich passt das den Verbänden nicht, die jetzt ihre eigenen Videoportale nach dem Vorbild der Hartplatzhelden etablieren möchten.

Timo Hoffmann in der Niederwetzer Kabine, der Keimzelle der Hartplatzhelden

Timo Hoffmann in der Niederwetzer Kabine, der Keimzelle der Hartplatzhelden

Es ist alleine meine Entscheidung, was mit meinem Traumtor, Übersteiger, Fehlpass oder Luftloch auf Video passiert. Ich habe das nicht so verstanden, dass ich mich mit meiner ersten Ballberührung in eine Abhängigkeit zu meinem Fußballverband mit dem DFB als obersten Lehnsherrn begeben hätte.

Nie habe ich das Recht an meinen Aufnahmen abgetreten, ich kann mich nicht erinnern, etwas in dieser Hinsicht unterschrieben zu haben. Alles andere, was den Übergang der Rechte an den Aufnahmen angeht, ist bloße Fiktion. Von „Veranstalterrechten“ zu sprechen, ist ein fragwürdiger „Kunstgriff“ und verkennt insbesondere die deutlichen Unterscheide zwischen Profi- und Amateurfußball.

In diesem Sinne bin ich zuversichtlich, dass der BGH sich von der kreativen Rechtsfortbildung der Instanzen distanzieren wird, „Im Namen des Volkes“ zu Gunsten der Hartplatzhelden entscheidet und den Allmachtsbestrebungen der Verbände ein Ende setzt.

P.S.: „Das MS-Word Wörterbuch kennt das Wort „Veranstalterrechte“ nicht. Zum Wörterbuch hinzufügen?“ – „Einmal ignorieren!“

Timo Hoffmann ist Spieler beim mittelhessischen Kreisoberligisten SG Reiskirchen/Niederwetz und war nicht ganz unbeteiligt, als die Idee der Hartplatzehlden im Jahr 2006 entstand. Oliver Fritsch war mal sein Trainer.

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Auf ein Fußballspiel gibt es kein Patent

25 Sep

Von Heinrich Nemeczek

Eine umfassende Rechtsposition des Sportveranstalters existiert im deutschen Recht nicht. Das wird zwar für den Profisport im Wettbewerbsrecht diskutiert. Dort zählen aber umfassende Investitionen sowie ein von Millionenbeträgen geprägter Spielertransfer. Im Amateurfußball verhält sich dies naturgemäß anders.

Heinrich Nemeczek

Heinrich Nemeczek

Im Gegensatz zu namhaften Autoren, die sich auch in diesem Blog geäußert haben (etwa hier), gehe ich davon aus, dass Fußballspiele sehr wohl von den Hartplatzhelden nachgeahmt werden. Zwar werden sie nicht kopiert wie eine Musik-CD, aber dennoch wird an das Fußballspiel als Gesamtleistung von Sportverband und Gastverein angeknüpft. Doch das allein bedeutet noch nichts.

Professor Ohly hat es schon hervorgehoben: Im deutschen Wettbewerbsrecht herrscht Nachahmungsfreiheit. Verboten ist die Nachahmung nur, wenn besondere Umstände hinzutreten. Davon ist der Bundesgerichtshof in den letzten Jahren jedoch nur ausnahmsweise ausgegangen. Selbst der massenhafte Vertrieb billiger „HERMÈS“-Imitate ist erlaubt, solange die Käufer erkennen, dass es sich eben nur um Imitate handelt.

Welcher Prestige-Verlust droht aber dem WFV mit den Hartplatzhelden? Die Hartplatzhelden sorgen dafür, dass Begeisterung auch für den Amateurfußball über die heimischen Stadiongrenzen hinweg aufkommt. Szenen eines Kreisligavereins werden nicht nur von den eigenen Fans, sondern auch von Alteingesessenen wie Miroslav Klose oder Marco Bode bewundert. Auf diese Begeisterung kommt es den Hartplatzhelden an und nicht auf das schmarotzende Ausnutzen eines wertvollen Patents.

Heinrich Nemeczek, 23, ist Mitarbeiter am Lehrstuhl für das Recht des geistigen Eigentums an der Universität Freiburg.