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Der WFV gibt sich arrogant wie die Fifa

23 Okt

Von Thomas Hoeren

Hartplatzhelden ist Kult und muss Kult bleiben. Warum sollten Amateure nicht ihre Fotos von Amateurspielen ins Netz stellen? Warum nicht ein Youtube für die schönsten Kurzfilmchen im Amateurfußball? Ich kann einfach nicht verstehen, was da juristisch verboten sein soll. Abseits der Persönlichkeitsrechte gibt es keine Rechte an den Fußballszenen.

Thomas Hoeren

Thomas Hoeren

Der Landesverband hat keine Veranstalterrechte (was soll das auch juristisch sein?). Und wieso soll das Ganze wettbewerbsrechtlich unlauter sein? Man steht vor einem großen Nichts – und gleichzeitig vor dem Versuch, eine Hypertrophie der Sportrechte zu begründen. Schon seit langem beobachten Experten die Versuche der Fußballverbände bis hinauf zur Fifa, sich ein gewaltiges Monopol an Rechten bei Sportveranstaltungen zu konstruieren. Doch bislang geschah dies nur im Profifußball – und mit der Begründung, man müsse soviel in Profispieler und das Umfeld eines Profispiels investieren.

Doch diese Begründung zieht beim Amateurfußball nicht. Und so kriegt das Ganze ein Geschmäckle, ein arroganter Fußballverband, der selbst die Zeichen des Web 2.0 nicht sehen wollte – und jetzt um so hartnäckiger und erbärmlicher auf junge Leute einschlägt, die eine innovative Idee zugunsten der Fußballgemeinde etabliert haben.

Professor Thomas Hoeren ist Experte für Urheber- und Medienrecht und Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf.

Links:

Thomas Hoeren im Gespräch mit dem Elektrischen Reporter über vermeintlich geistiges Eigentum

Diskussion im Blog des Beck-Verlags über die Hartplatzhelden

Anmerkung Thomas Hoerens zum Urteil des OLG Stuttgart gegen die Hartplatzhelden

Kein Monopol im Amateurfußball!

10 Okt

Von Ansgar Ohly

Die Fußballverbände wünschen sich ein Recht, das Sportveranstaltern die Hoheit über Filmaufnahmen von Spielen gibt – ähnlich wie es das Urheberrecht für Konzertveranstalter vorsieht. Aber ein solches Recht gibt es nicht. Der Gesetzgeber hat kein Leistungsschutzrecht für Sportveranstalter geschaffen. Und dort, wo solche Rechte nicht bestehen, herrscht Nachahmungsfreiheit.

Ansgar Ohly

Ansgar Ohly

Das Recht gegen den unlauteren Wettbewerb greift nur ein, wenn sich ein Nachahmer unlauter verhält – zum Beispiel, indem er Verbraucher täuscht. Deshalb sind Filmaufnahmen von Amateurfußballspielen völlig legal, wenn das Hausrecht des Stadionbetreibers nicht verletzt wird. Und ebenso legal ist es, im Web eine Plattform für solche Aufnahmen zu bieten.

Fußball ist unser Leben, und die Kommunikation über Fußball gehört zum Leben der Fans. Ich sehe ein, dass die Fernsehrechte für Spiele der Profiligen vermarktet werden müssen, um den Spitzensport zu finanzieren. Aber ich verstehe nicht, warum die Verbände im Amateurbereich ein Monopol über Filmaufnahmen haben sollten.

Erst recht darf es nicht sein, dass mit rechtlichen Mitteln den Fans, den Familien und den Freunden der Amateurkicker innovative Webangebote wie die Seite der Hartplatzhelden vorenthalten werden.

Ansgar Ohly ist Professor für Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht an der Universität Bayreuth.

Endspurt im Hartplatzhelden-Prozess

7 Sep

Am 28. Oktober 2010 wird der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein Stück Freiheit im Internet verhandeln: den Rechtsstreit zwischen dem Württembergischen Fußballverband (WFV) und den Hartplatzhelden.

Worum geht es? Auf hartplatzhelden.de, der Website der Hartplatzhelden GmbH, können User seit Ende 2006 Videos von Amateur-, Jugend und Freizeitspielen hochladen. Dort werden die schönsten Tore von einer prominenten Jury um Günther Jauch prämiert. Und auch sonst redaktionell betreut: gesichtet, kommentiert, bewertet, sortiert, verteilt.

Der WFV will es den Hartplatzhelden untersagen, Videos aus seiner Region zu zeigen, weil er glaubt, die alleinigen Vermarktungsrechte zu halten. Daher hat er die Hartplatzhelden auf Unterlassung verklagt und in den ersten beiden Instanzen Recht bekommen: vor dem Landgericht Stuttgart im Mai 2008 und vor dem Oberlandesgericht Stuttgart im März 2009. Der Verstoß lautet auf unlauteren Wettbewerb.

Die Hartplatzhelden sind in Berufung gegangen, und nun steht das (voraussichtlich) letztinstanzliche Urteil an. Es wird ein Grundsatzurteil erwartet, ein Grundsatzurteil, das sich die Frage stellen muss: Gehört der Fußball den Verbänden?

Bis zum Tag der Entscheidung sammeln wir Hartplatzhelden unter der Federführung des Gründers Oliver Fritsch diesem Blog die wichtigsten Stimmen, Argumente, Fragen zum Prozess, auch den „historischen“ Werdegang.